Praxis für systemische Rituale und schamanische Heilwege Andrea Pilchowski

Schamanische Heilwege in unserer Zeit und unserer Kultur 
 
In den alten Völkern waren Initiations-Rituale*
ein fester Bestandteil des Zusammenlebens in der Gemeinschaft. Eine Schamanin wurde entweder durch

die Geister ausgewählt und initiiert, z.B. durch die sog. Schamanen-Krankheit: ein sicheres Zeichen dafür war, dass der Mensch verrückt wurde.

Oder der die Schamanin wurde durch eine alte Schamanin initiiert. Das Wissen und die Kraft wurde von Alt auf Jung übertragen und die Junge musste durch jahrelange Übung und Disziplin beweisen, dass sie fähig war, mit ihrer Kraft der Gemeinschaft zu dienen. Diese Initiationsriten gingen oft auf Leben und Tod.

  

Ich komme nicht aus so einer Stammeskultur, bin auch nicht im traditionellen Sinn als Schamanin initiiert, nenne mich auch nicht so. Meine bewussten spirituellen Wurzeln habe ich in der jüdisch-christlichen Kultur, doch habe ich meine Kraft durch sie hindurch in meinen viel älteren Wurzeln gefunden. Mit deren Hilfe sehe und spüre ich die ganze Welt miteinander verbunden und vernetzt, alles auch beseelt, die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, die Steine.... auch Häuser, Objekte, und diese unsere bewusste Alltags-Realität ist für mich nur eine von vielen Ebenen, die jenseits von unseren alltäglichen Zeit- und Raum-Vorstellungen existieren.

 

         

  

In persönlichen Begegnungen inspiriert, sozusagen als Initialzündungen, haben mich Galsan Tschinag, der grosse altaische Schamanendichter, Hi-Ah-Park mit ihrer pfeilgeraden und zentrierten Ausrichtung, Ute Manan Schiran mit den wilden weiblichen Kräften und Tsültrim Allione mit dem Mandala der fünf Dakinis.

  

Praktisch gelernt, Wissen und Kraftübertragung, habe ich vor allem bei

Daan van Kampenhout, durch dessen Beispiel ich mehr und mehr den Mut zu eigener Kreativität und Forschergeist bekommen habe. Seine Art, die schamanische Praxis in unser modernes Leben zu adaptieren, statt Traditionen, die nicht die unseren sind, zu übernehmen, ist für mich stimmig.

Bei den jahrelangen Trainings, die ich mit Daan gemacht habe, habe ich natürlich auch Initiations-Erlebnisse gehabt.

Vor allem war und ist der Tod mein grosser Verbündeter, der mich und mein persönliches Leben von Kindheit an begleitet hat, der Schmerz, der mich gelehrt hat, dass er der Bruder der Heilung ist, meine Ahninnen und Ahnen mit ihrem polnisch-jüdisch-ungarisch-christlich-deutschen (ostpreussischen) Schicksal sind meine grössten Lehrmeister. 

           
 
"Die Heilung kommt von ausserhalb"**

 

Heil-Werden heisst für mich in Einklang kommen mit dem Leben (oder dem Tod), dem Schicksal und mit den Kräften, die ausserhalb von uns wirken:
Toten und andere Kräften und Wesen der nichtalltäglichen Welten.
 
Mit diesen Kräften zu kommunizieren, in Gebet und Gesang, mit der Trommel,
in Trance, darin ist und war der/die Schamanin, der/die Heilerin in allen Völkern der/die Expertin. 
 
Es geht um Verständigung mit den Wesen der unsichtbaren Welt in der Frage „was braucht wer“, um Bitten um Unterstützung und um Danken und schliesslich um die direkte Herstellung von Verbindung und Kraft für die Klienten. 

 
           

Schamanische Reisen:

In der Welt der Träume, der schamanischen Trance-Reise, kann ich zum Beispiel in die Vergangenheit reisen und dort etwas in Ordnung bringen.

Dabei spielen das RAD und meine Helferwesen eine grosse Rolle, durch sie habe ich eine Landkarte und Begleiter zur Verfügung, bekomme ich Inspiration und Führung. Vergangenheit - Gegenwart -Zukunft, in der Welt der schamanischen Trancereise ist alles gleichzeitig vorhanden.
 

Das RAD ist für mich eine Abbildung der physischen, emotionalen und spirituellen Realität und gleichzeitig eine Landkarte von Ort und Zeit. Das Rad, mit dem ich arbeite, orientiert sich an den Erfahrungen der hiesigen Zyklen der Sonne und des Mondes, der Jahreszeiten, der Lebensalter und der Generationen.***

Es geht über die physische Zeit hinaus in die Traumzeit. 
 

Die Qualitäten des Rads und die Helferwesen und Tierverbündeten im Rad stellen Nahrung und heilende Qualitäten sozusagen "von aussen" zur Verfügung.
Das Entscheidende am Rad ist für mich das zyklische Denken, z.B. dass der Morgen nach der Nacht kommt, und das jeden Tag. Dass der Samen im Winter ruht, im Frühling auszutreiben beginnt, im Sommer zur vollen Entfaltung kommt und im Herbst die Frucht wieder den Samen enthält, die Essenz, die wiederum im Winter unter der Erde zur Ruhe kommt.
 

   

 

   

            

Schamanische Heilwege schauen auf den spirituellen Aspekt einer Krankheit

 
In unserer Sprache umschreiben wir viel unsere Seelenpräsenz „ich war nicht ganz hier“ oder „das war so toll, dass ich voll und ganz präsent war“.

Schamanische Praxis ist eine spirituelle Praxis, die sich in erster Linie um die Seele der Klienten kümmert. Die individuelle Seele, die sich herauskristallisiert aus der Familienseele und der Gruppenseele und die Teil ist der Grossen Seele oder der universellen Seele. 
 

Sandra Ingerman**** spricht wie in der Psychologie von Dissoziation, wenn sich Seelenanteile z.B. wegen eines Traumas abspalten bei Unfällen, Gewalt, Operationen etc.. Dissoziation passiert, wenn der Schmerz, die Angst, die Wehrlosigkeit, die Verzweiflung zu stark waren, um sie auszuhalten. Der dissoziierte Teil bleibt wie eingefroren in Raum und Zeit. Die Traumaforschung beschäftigt sich mit diesem Phänomen, die schamanische Praxis hat sehr wirkungsvolle und achtsame Methoden, Traumafolgen zu heilen.

 
   

 

Das Gebet, der Fokus bei dieser Arbeit ist, dass der Klient, die Klientin mehr Lebenskraft, mehr Freude, mehr Farbe… zur Verfügung hat.


Wenn Ihr Leben schön ist, bunt und fröhlich, gut riecht, gut klingt, sind das die besten Voraussetzungen für ein seelenvolles Leben.


Seelenbegleitung ins Licht

Je nachdem, wie der Tod kommt, traumatisch, kämpfend oder friedlich und einverstanden, kann die Seele ins Licht gehen oder auch nicht.

Die, die im Schock sind, für die keiner da ist, der betet****, können "hängenbleiben".

Das ist ein ganz wesentlicher Teil meiner schamanischen Arbeit, die Arbeit mit Toten, die Hilfe brauchen, um ins Licht zu gelangen. Siehe auch 
Sterbeamme 

 

  
  
Meine Arbeit ist eine Ergänzung zur medizinischen und naturheilkundlichen Diagnostik und Therapie, sie ist keinesfalls als Ersatz zu sehen.
 


* Gute Beschreibungen solcher Initiationen finden Sie in den Büchern von Amélie Schenk, z.B. Gesang des Himmels oder Malidoma Patrice Somé, Vom Geist Afrikas

 

* gleichnamiges Buch: Daan van Kampenhout, "Die Heilung kommt von außerhalb". Schamanismus und Familien-Stellen. C. Auer Verlag
 
** Eine empfehlenswerte, gut lesbare Zusammenfassung des Rads mit seinen Qualitäten können Sie nachlesen in dem englischsprachigen Buch von Daan van Kampenhout, The Four Directions, ISBN 978-3-941033-06-1, sine causa Verlag Berlin 2008
 
*** Sandra Ingerman, "Auf der Suche nach der verlorenen Seele". Ariston Verlag

**** siehe Artikel von mir als pdf: Kaddish, veröffentlicht in Frauenwelt.Weltenfrau, Ausgabe Winter 2009